{"id":566,"date":"2012-02-01T23:19:52","date_gmt":"2012-02-01T22:19:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fhaga.de\/?p=566"},"modified":"2012-02-06T20:02:03","modified_gmt":"2012-02-06T19:02:03","slug":"stahlgotz-njoerhug-3","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.fhaga.de\/?p=566","title":{"rendered":"Stahlg\u00f6tz: I. Njoerhug (3)"},"content":{"rendered":"<p>Am fr\u00fchen Abend hatten sich schlie\u00dflich alle Dorfbewohner vor dem Holztempel der Drei Uralten eingefunden. In Njoerhug wurde noch den G\u00f6ttern gehuldigt, die der Rest der Mumdiduden schon vergessen hatte. Niemand fehlte. Nur die zwei jungen M\u00e4nner, die zur Wache auf dem Turm eingeteilt waren, sahen dem Fest vom Winde zu Tr\u00e4nen ger\u00fchrt zu. <\/p>\n<p>Rulmen Crorstzar war der Sohn von Mikarge, dem Baumeister des Dorfes, dieser war der Bruder des H\u00e4uptlings und zugleich sein treuester Gefolgsmann. Rulmen \u00e4rgerte sich, dass das Los f\u00fcr die Wache auf ihn gefallen war, gerade bei einer gesellschaftlich so wichtigen Veranstaltung. Seine Chancen auf die H\u00e4uptlingsw\u00fcrde waren gut, doch hatte er weder Frau noch Kinder. <\/p>\n<p>Die Frauen der Warskogedir konnten selbst bestimmen, wen sie heiraten wollten; Heiratspolitik zu betreiben lag nun einmal nicht im Wesen der Frauden. Rulmen musste sich selbst darum k\u00fcmmern und heute w\u00e4re ein guter Tag daf\u00fcr gewesen! Dazu musste er sich noch mit diesem verschlafenen J\u00e4ger abgeben, dem er absolut nichts zu sagen hatte. <\/p>\n<p>Yrdokaan war nicht ungl\u00fccklich \u00fcber die Einteilung zur Wache gewesen, er liebte den weiten Blick der seine Gedanken auf Reisen schickte. Er wusste, dass er, genau wie alle anderen hier nie weggehen w\u00fcrde. Wo hin ginge man? Durch die L\u00e4nder der Dschjubi zur Gro\u00dfen Schlangenflucht, \u00fcber die Vier Stufen des Wahnsinns, die Treppe der G\u00f6tter hinab, in die Fremde. <\/p>\n<p>Er erinnerte sich wieder an die Geschichten des Dellzing, der sich Andronikos Dekurgos nannte, in Wirklichkeit aber Greinherd hie\u00df. Andronikos, der einzige Ausl\u00e4nder im Dorf, war urspr\u00fcnglich Arzt gewesen, doch hatte er mit der vor Gesundheit strotzenden Bev\u00f6lkerung Njoerhugs nur selten zu tun. <\/p>\n<p>Nach Njoerhug gekommen war Andronikos vor etlichen Jahren mit einer Handelskarawane, die er medizinisch betreut hatte. Dem Zug aber war kein Gl\u00fcck beschieden. Nachdem s\u00e4mtliche Beteiligten durch Krankheiten, K\u00e4lte und die Folgen der gewaltsamen \u00dcbergriffe einiger fraudischer Clans dahingerafft worden waren, blieb der brekschanische Arzt alleine in der Wildnis zur\u00fcck. <\/p>\n<p>Der H\u00e4uptling von Njoerhug und ein paar seiner Krieger hatten Andronikos bei der Jagd halbtot aufgefunden, ihn wegen seiner Gr\u00f6\u00dfe f\u00fcr ein Kind gehalten* und mitgenommen. Nachdem er von der Hexe gesund gepflegt worden war, stellte man ihn vor die Wahl, als Leibeigener des H\u00e4uptlings zu bleiben, oder als Opfer f\u00fcr die Ahnen zu sterben. <\/p>\n<p>Er kam aus dem K\u00f6nigreich Brekhnan, welches er in seinen Erz\u00e4hlungen immer das \u201eGoldene Kendolien\u201c nannte. Es musste ein Land der Wunder sein; die Regionen der saftig gr\u00fcnen H\u00fcgel, der goldgelben Weizenfelder, stolzer, schwer gepanzerter Ritter und flei\u00dfiger, fr\u00f6hlicher Bauern. Aber es war auch das Reich der Zauberer; ein Land, dessen Westgrenze in stetiger Gefahr schwebte vom Land der Untoten verschluckt zu werden.<\/p>\n<p>Yrdokaan und Rulmen verbrachten vier Stunden auf dem Turm bis sie von zwei ungew\u00f6hnlich stillen Kriegern abgel\u00f6st wurden. W\u00e4hrend dessen war unten auf dem Dorfplatz nicht viel passiert. Der Gro\u00dfteil der Dorfbewohner fl\u00e4zte inzwischen betrunken oder zumindest beschwipst auf den vor dem Tempel ausgebreiteten Fellen.<\/p>\n<p>*Hierzu muss man wissen, dass die Dellzing (f\u00e4lschlich oft auch: Brekschaner) kleinere Menschlinge, die Wei\u00dfen Frauden (auch: Dschjubi oder Mumdiduden) hingegen ein sehr hochgewachsenes Volk sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am fr\u00fchen Abend hatten sich schlie\u00dflich alle Dorfbewohner vor dem Holztempel der Drei Uralten eingefunden. In Njoerhug wurde noch den G\u00f6ttern gehuldigt, die der Rest der Mumdiduden schon vergessen hatte. Niemand fehlte. 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